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Sexismus in der juristischen Ausbildung – (K)ein Thema für die JuMiKo?!

5 Jahre JuWissBlog – die erfolgreichsten Beiträge*

von LUCY CHEBOUT, SELMA GATHER und DANA-SOPHIA VALENTINER

LC_JuWiss_swSelma_swValentinerFrauen haben im Durchschnitt bessere Abiturnoten als Männer, schneiden aber im juristischen Examen signifikant schlechter ab. Warum das so ist, lässt sich schwer sagen. Die einen vermuten, es könnte daran liegen, dass Frauen im Abitur zu gut bewertet werden. Andere werfen die Frage auf, ob Frauen im Examen diskriminiert werden. In den aktuellen Diskussionen zur Reform der juristischen Ausbildung spielen diese Fragen bislang keine Rolle. Ein Blick auf Diskriminierung und Ungleichheiten fehlt – sowohl bei der inhaltlichen Ausgestaltung als auch im Hinblick auf strukturelle Exklusionsmechanismen der Ausbildung. Es ist Zeit, dies zu ändern, um das Jurastudium diskriminierungsfrei und inklusiv zu gestalten.

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Sexismus in der juristischen Ausbildung – (K)ein Thema für die JuMiKo?!

von LUCY CHEBOUT, SELMA GATHER und DANA-SOPHIA VALENTINER

LC_JuWiss_swSelma_swValentinerFrauen haben im Durchschnitt bessere Abiturnoten als Männer, schneiden aber im juristischen Examen signifikant schlechter ab. Warum das so ist, lässt sich schwer sagen. Die einen vermuten, es könnte daran liegen, dass Frauen im Abitur zu gut bewertet werden. Andere werfen die Frage auf, ob Frauen im Examen diskriminiert werden. In den aktuellen Diskussionen zur Reform der juristischen Ausbildung spielen diese Fragen bislang keine Rolle. Ein Blick auf Diskriminierung und Ungleichheiten fehlt – sowohl bei der inhaltlichen Ausgestaltung als auch im Hinblick auf strukturelle Exklusionsmechanismen der Ausbildung. Es ist Zeit, dies zu ändern, um das Jurastudium diskriminierungsfrei und inklusiv zu gestalten.

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Le Genre et le Droit

Ein kleiner Rechtsvergleich zur Frage des Geschlechts in Deutschland und Frankreich

von FRANZISKA BRACHTHÄUSER

Foto_Franziska_Brachthauser_003Am 20. August gab es durch das Urteil des Tribunal de Grande Instance (TGI) in Tours (im deutschen Recht vergleichbar mit einem Landgericht) eine première française: Zum ersten Mal ist durch Urteil eines Gerichts anerkannt worden, dass nach dem französischen Personenstandsrecht auch das sexe neutre, das neutrale Geschlecht, zulässig sein soll. Eine 64-jährige intergeschlechtliche Person hatte vor dem Tribunal geklagt, um ihren als männlich eingetragenen Personenstand nach den Vorschriften von Artikel 99 des französischen Code Civil korrigieren zu lassen. Anerkannt wurde dadurch etwas, was in Deutschland bereits seit dem 1. November 2013 gesetzlich vorgesehen ist: Die Existenz einer dritten Option außerhalb des binären Geschlechtersystems (§ 22 Abs. 3 PStG). Das Urteil soll als Anlass dienen, die Rechtslage zum Geschlecht in beiden Ländern in Ansätzen zu vergleichen. Weiterlesen …

#HeForShe in der Rechtswissenschaft? Ein Veranstaltungsbericht.

Von HANNAH BIRKENKÖTTER

bildswIn der Rechtswissenschaft ist die Diskussion um Geschlechtergerechtigkeit nicht neu. Der Wissenschaftsrat stellte bereits vor zwei Jahren in seinem Bericht zu Perspektiven der Rechtswissenschaften fest: „Frauen sind, insbesondere in den wissenschaftlichen Führungspositionen, nach wie vor erheblich unterrepräsentiert“ (hier auf S. 41). Hat sich seitdem etwas verändert? Und: wo liegen die Ursachen für die geringe Anzahl an Juraprofessorinnen? Weiterlesen …

Die Schweiz ist vaterschaftsurlaubsreif

von IRENE GROHSMANN

34_Irene_Grohsmann_Homepage_BearbeitetSowohl gemäss der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) als auch gestützt auf die Schweizerische Bundesverfassung dürfen Frau und Mann nicht aufgrund traditioneller Rollenverteilungen und Geschlechterstereotypen unterschiedlich behandelt werden. Trotzdem haben in der Schweiz nach der Geburt eines Kindes nur Frauen einen Anspruch auf Mutterschaftsurlaub; Vaterschaftsurlaub gibt es nicht. Diese Regelung ist vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und rechtlichen Wandels in Europa und der Schweiz nicht mehr tragbar.

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Male, Female or ‘Unspecified’: The case of Norrie

von ATHENA NGUYEN

Athena NguyenIt has been estimated that one in one hundred people experience some form of gender or sex diversity. Not everyone easily fits into our social categories of ‘male’ or ‘female’ – and those who do not can experience social stigma, ridicule and discrimination from a young age.

The recognition that a person may be neither male nor female has recently been affirmed by the High Court of Australia. In NSW Registrar of Births, Deaths and Marriages v Norrie, the Court considered the matter of Norrie who was born with male reproductive organs and underwent sex-reassignment surgery in 1989. However, Norrie (who uses the pronoun ‘she’ in her legal submissions) found that the surgery did not resolve her gender ambiguity. Thus, she applied to the Register of Births, Deaths and Marriages to have her gender recorded as “non-specific.” After initially accepting her application, the Register revoked their decision and declared her application to be “invalid”. In a landmark decision by the High Court on 2 April 2014, the Court found that it was indeed within the power of the Register to record Norrie’s gender as “non-specific”. Weiterlesen …

Medizinisch unterstützt ein bisschen gleicher werden

Frauen in lesbischen Lebensgemeinschaften dürfen Eltern werden

von ANNA-ZOE STEINER

Foto HPAb 2015 haben lesbische Paare in Österreich die Möglichkeit, sich ihren Kinderwunsch mittels Samenspende zu erfüllen. Den Weg hierzu ebnete ein Erkenntnis des österreichischen Verfassungsgerichtshof vom Dezember 2013 (VfGH 10.12.2013, G 16/2013 ua).

In diesem Urteil erklärte der Gerichtshof diejenigen Bestimmungen des Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) für verfassungswidrig, die der nutzungmedizinisch unterstützter Fortpflanzung mittels Samen eines Dritten für Frauen, die in einer lesbischen Lebensgemeinschaft leben, bislang entgegenstanden. Für lesbische Paare ist diese Entscheidung ein Schritt hin zu mehr Gleichheit in fortpflanzungsmedizinischen Fragen. Allerdings ergeben sich aus diesem Judikat Folgefragen im Hinblick auf die bestehen bleibenden Bestimmungen des FMedG, so dass der Gerichtshof nicht zum letzten Mal mit Fragen der künstlichen Befruchtung befasst gewesen sein dürfte. Weiterlesen …

Geschlechtsidentität auf dem Prüfstand

Anmerkungen zum Reformbedarf des sogenannten Transsexuellengesetzes (TSG)

von FRANZISKA BRACHTHÄUSER

Franziska BrachthauserIm Jahr 2011 hat das Bundesverfassungsgericht die Vorschrift aus dem TSG kassiert, nach der Trans*Personen für eine Änderung ihres Personenstandes zu einer operativen Geschlechtsumwandlung verpflichtet waren, die zu einer Fortpflanzungsunfähigkeit führen sollte. Der Beschluss verbessert die rechtliche Situation von Trans*Personen allerdings nur bedingt, denn nach wie vor knüpft das TSG eine Geschlechtseintragsänderung an erhebliche Bedingungen. Die notwendige umfassende Gesetzesreform lässt auf sich warten.

Transgeschlechtlichkeit im deutschen Recht

Die Kategorie „Geschlecht“ wird im deutschen Recht mittlerweile hauptsächlich zu Zwecken des Diskriminierungsschutzes verwandt. Nicht erfasst vom rechtlichen „Geschlecht“ und den entsprechenden Schutzmechanismen ist die „Geschlechtsidentität“, die das individuelle Geschlechtszugehörigkeitsempfinden beschreibt. Das „Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen – Transsexuellengesetz“ soll „Lösungen“ für den Fall bieten, dass die empfundene Geschlechtsidentität von der körperlich indizierten abweicht. Weiterlesen …

Der frisierte Gleichheitssatz

von STEFAN MARTINI

image_miniDer Männerzopf eines Wehrdienstleistenden muss ab – selbst wenn Soldatinnen lange Haare tragen dürfen. Das entschied der 1. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts im Dezember des letzten Jahres. Nun sind auch die Gründe der Entscheidung verfügbar. Nachdem das Truppendienstgericht Süd 2004 den so genannten Haarerlass für „schlechterdings unvertretbar“ hielt und das Bundesverwaltungsgericht 2006 bei Polizisten gepflegte lange Haare nicht mehr als „nonkonformistisch“ einstufte, war ich gespannt, wie der Leipziger Senat (zwei Richterinnen und ein Richter) den Haarerlass überhaupt noch rechtfertigen kann.

Das entscheidende Argument des Senats ist, dass es sich bei der Ausnahme vom Verbot, lange Haare zu tragen, um eine Frauenfördermaßnahme nach Art. 3 Abs. 2 S. 2 des Grundgesetzes und § 1 Abs. 1 S. 2 Bundesgleichstellungsgesetz handelt (Rn. 66). Männliche Soldaten hätten keinen Anspruch darauf, dass diese Ausnahme auf sie erstreckt wird. Intuitiv leuchtet mir das nicht ein, gesellschaftlich wie verfassungsrechtlich. Aber warum genau nicht?

Kuriose Körperästhetik

Körperästhetische Vorschriften in der Bundeswehr sind immer für Kuriosa gut. „Zivilisten“ erscheinen diese sprachlich wie inhaltlich aus einem anderen gesellschaftlichen Universum eingeflogen. Einige Beispiele aus der in diesem Februar aktualisierten Dienstvorschrift: Weiterlesen …

Ein Leben ohne Geschlecht?

von JUANA REMUS

Juana Remus (2)Am 1.11. trat die Änderung des Personenstandsgesetzes in Kraft, die es ermöglicht, dass Personen bei Geburt keinen Geschlechtseintrag erhalten. Ziel der Neuregelung war es, „intersexuelle“ Menschen im Personenstandsregister zu berücksichtigen – doch die Neuregelung wirft eher Fragen auf, als dass sie Probleme löst.

 

„Inter…was?“

Als intergeschlechtlich werden Menschen bezeichnet, deren Körper sowohl Merkmale des weiblichen als auch des männlichen Geschlechts aufweisen. Sie werden auch Zwitter, Hermaphroditen, intersexuell, intrasexuell, zwischengeschlechtlich usf. genannt. Ihre körperliche Varianz ist weder krankhaft noch lebensbedrohlich. Vielmehr basieren die unterschiedlichen Varianzen ebenso wie die als weiblich oder männlich anerkannten Körper auf komplexen biomedizinischen Prozessen, bedingt durch genetische Anlagen oder hormonelle Abläufe. Weiterlesen …