Post aus Münster: Wissenschaft bedeutet auch Kontroverse – Werkstattbericht zum neuen Diskussionsformat

vom Organisationsteam JTÖR Münster 2021

Wissenschaftlicher Austausch lebt von klaren Positionierungen, Kontroversen und – gelegentlich – auch Zuspitzungen. Dies wollen wir auf der 61. JTÖR in den Vordergrund rücken. Deshalb haben wir uns etwas Neues ausgedacht. Neben dem „klassischen“ Vortragsformat wird es ein Format geben, bei dem sich die Gewichte etwas verschieben: hin zu pointierteren Impulsvorträgen und längeren Diskussionen. In diesem Werkstattbericht möchten wir Euch zum einen darlegen, was wir uns unter diesem Format vorstellen, und Euch darüber hinaus einige Hinweise zur Bewerbung geben.

Das Konzept

Mit dem neuen Impulsvortragsformat soll noch mehr Raum für die Interaktion zwischen den beiden Referent*innen, aber insbesondere auch im und mit dem Publikum geschaffen werden. Dafür sieht das Format jeweils 10-minütige Impulsvorträge der Referent*innen vor, die den Boden für die anschließende Diskussion bereiten sollen. Durch die gegenüber dem klassischen Format kürzere Vortragsdauer und die konträren Positionen der Referent*innen sollen sich dabei mehr Zeit und Anknüpfungspunkte für diese Debatten ergeben.

Die Diskussionsthemen

Wir haben uns dafür entschieden, die Themen für die beiden Impulsvortragspanels vorzugeben. Das erste Panel wird sich der aktuellen Frage widmen, ob und inwieweit Gerichte die politischen Verfassungsorgane zu einer entschlosseneren Bekämpfung des Klimawandels zwingen dürfen. Das zweite Panel wird sich demgegenüber einem zeitloseren Thema zuwenden, nämlich der Frage, ob Lobbyismus Fluch oder Segen für den demokratischen Willensbildungsprozess ist. Näheres zu den beiden Panelthemen findet sich bereits in unserem Call for Exposés. Bewusst haben wir dagegen davon abgesehen, Euch genauere Vorgaben zum methodischen Zugriff zu machen. Wie genau Ihr das Thema angehen wollt, bleibt ebenso Euch überlassen wie die Wahl der einzelnen Aspekte, die Ihr in Eurem Beitrag hervorheben wollt. Im Folgenden möchten wir Euch dennoch einige Handreichungen geben, worauf es uns als Organisationsteam beim neuen Diskussionsformat besonders ankommt.

Meinungsstärke

Wie bereits in unseren 9 Tipps für ein starkes Exposé beschrieben, sollte Euer Exposé zunächst einmal möglichst bestimmt umreißen, wie Ihr Euch zu den Fragen des Panels verhalten möchtet. Die beiden Diskussionspanels zielen vor allem darauf ab, Raum für einen kontroversen Austausch zu eröffnen. Daraus ergibt sich eine Präferenz für meinungsstarke und pointierte Beiträge. Traut Euch also, im Exposé und im Beitrag einen klaren Standpunkt einzunehmen. Es gilt dabei trotzdem derselbe wissenschaftliche Anspruch wie bei den „klassischen“ Beiträgen.

Inhaltlicher Anspruch und methodischer Zugriff

Die Überthemen für die beiden Diskussionspanels haben wir bewusst so gewählt, dass sie eine Vielzahl von Aspekten berühren, die erörtert werden können. Uns ist klar, dass die Limitierung der Vortragszeit es Euch kaum erlauben wird, Euer Thema auch nur annäherungsweise erschöpfend zu behandeln. Hier kommt es also entscheidend auf die Schwerpunktsetzung an. Ebenso erlauben die Überthemen eine Vielzahl verschiedener methodischer Zugriffe. Wir möchten keinen dieser Zugriffe privilegieren. Es steht Euch also offen, die Diskussionsthemen beispielsweise aus einer rechtssoziologischen, -vergleichenden, -dogmatischen oder -geschichtlichen Perspektive zu betrachten.

Verhältnis zum anderen Beitrag

Bei der Auswahl werden wir die Beiträge neben der inhaltlichen Qualität und der Meinungsstärke auch danach begutachten, wie gut der jeweilige Beitrag zum anderen Beitrag in Bezug zu setzen ist. Das bedeutet, dass wir pro Panel zwei Vorträge auswählen werden, die entgegengesetzte Positionen einnehmen. Diese müssen aber nicht notwendigerweise den gleichen methodischen Zugriff wählen. Schließlich kann die Debatte von unterschiedlichen Perspektiven auch gerade profitieren. Zudem können im Rahmen der Diskussion aus den Reihen des Publikums weitere Aspekte ergänzt werden.

Das bringt uns zu einem weiteren Punkt: (offengelegten oder verdeckten) Tandem-Bewerbungen. Es ist uns wichtig, dass die Impulsvorträge in einer genuinen Diskussion münden. Solltet ihr euch also im Tandem bewerben, ist unbedingt darauf zu achten, dass keine inszenierte Debatte entsteht.

Impulsvortrag und Diskussion

10 Minuten sind für einen Vortrag nicht viel Zeit. Umso mehr kommt es darauf an, dass Ihr diese knappe Zeit gut strukturiert und die Aspekte, die Ihr besonders hervorheben möchtet, nicht zu kurz kommen lasst. Oft genug bedeutet das, sich auf die wenigen, aus Eurer Sicht wichtigsten Punkte zu beschränken, und eher Denkanstöße denn feinst verästelte Argumentationsstrukturen für die Debatte zu liefern. Weniger ist oftmals mehr! Wichtig ist es uns auch, zu betonen, dass die Diskussion keinen Debattierwettbewerb darstellt. Es kommt uns also nicht darauf an, am Ende der Diskussion unter den beiden Referent*innen eine*n Sieger*in zu küren. In diesem neuen Format möchten wir gerade das Publikum intensiver einbinden. Die Moderation übernimmt – wie beim klassischen Format auch – jemand aus den Reihen des Organisationsteams. Das soll es Euch als Referent*innen erleichtern, euch voll und ganz auf die inhaltliche Dimension der Diskussion fokussieren zu können.

Bewerbung und spätere Publikation im Tagungsband

Die Bewerbung für die Teilnahme am Diskussionspanel richtet sich nach denselben Bedingungen wie die Bewerbung für einen „klassischen“ Vortrag. Nähere Informationen dazu findet Ihr bereits im Call for Exposés.

Die für dieses Format erstellten Beiträge werden im Rahmen der Publikation genauso behandelt wie die des „klassischen“ Formats. Ihr werdet also genauso viel Raum für die schriftliche Entwicklung und Darstellung Eurer Gedanken haben.

Wir freuen uns auf Eure Einsendungen und spannende Diskussionen mit Euch auf der 61. JTÖR!

 

Zitiervorschlag: Organisationsteam JTÖR Münster 2021, Post aus Münster: Wissenschaft bedeutet auch Kontroverse – Werkstattbericht zum neuen Diskussionsformat, JuWissBlog Nr. 112/2020 v. 01.09.2020, https://www.juwiss.de/112-2020/.

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