Post aus Münster: 9 Tipps für ein starkes Exposé

Vom Organisationsteam JTÖR Münster 2021

Eure Exposés sind gut – mit diesen geheimen Profi-Tipps werden sie perfekt. Das ist natürlich…

…übertrieben, aber wir freuen uns über Eure Aufmerksamkeit! Denn der Call for Exposés für die kommende Junge Tagung Öffentliches Recht (JTÖR) 2021 in Münster ist online und als Organisationsteam hoffen wir auf zahlreiche Einsendungen zum Thema „Zugang zu Recht“.

Wir verstehen unter einem Exposé primär den Vorschlag eines Beitrags für unsere Tagung. „Exposé“ ist aber kein eindeutig definierter Begriff. Der Duden schreibt ihm gleich drei Bedeutungen zu: 1. „schriftlich niedergelegte, erläuternde Darstellung“, 2. „Zusammenstellung, Übersicht, Plan“, 3. „Handlungsskizze, besonders als Vorstufe eines Drehbuchs“. Wie aber soll man etwas erläuternd darstellen, das noch gar nicht fertig, sondern in Planung ist?

Dieser Werkstattbericht soll etwas Licht ins Dunkel bringen und festhalten, was wir uns unter einem gelungenen Exposé vorstellen. Damit wollen wir unsere Kriterien transparent machen und allen, die daran interessiert sind, etwas Orientierung bieten. Doch zuerst noch drei kleine Hinweise:

Selbstverständlich ist keine unserer Empfehlungen zwingend und es mag gute Gründe geben, davon abzuweichen. Man ist also nicht schon „raus“, wenn man etwas anders macht als hier empfohlen.

Neben den „klassischen“ Referaten wird es auf der 61. JTÖR auch ein „diskursiveres“ Format mit zehnminütigen Impulsvorträgen zu zwei bestimmten Themen geben. Wenn Ihr Euch für dieses neue Format bewerbt, sollte Euer Exposé natürlich möglichst bestimmt umreißen, wie Ihr Euch zu den Fragen des Panels verhalten möchtet. Ansonsten gelten unsere Hinweise aber für beide Formate.

Bitte kontaktiert uns, wenn Ihr Fragen habt! Wir freuen uns auch sehr über Kommentare und Ergänzungsvorschläge für die nachfolgende Auflistung.

1. Es darf unfertig sein

Abgesehen von Ausnahmefällen wird der Beitrag, den ihr in Eurem Exposé für die JTÖR vorschlagt, erst noch zu schreiben sein. Das weiß natürlich auch das Auswahlkomitee. Natürlich könnt Ihr auch aus fertiger Arbeit schöpfen, etwa indem Ihr ein (Teil-)Ergebnis oder einen Gedanken aus Eurer Dissertation berichtet. Aber wir erwarten nicht, dass Ihr uns im Exposé schon die Zusammenfassung eines fertigen Beitrags präsentiert.

2. Konkrete Fragestellung

Was ein Exposé hingegen schon beinhalten sollte, ist die Formulierung einer Fragestellung. Sehr willkommen sind uns konkrete Fragestellungen. Denn sie lassen hoffen, dass sich auch die Diskussion nicht in Abstraktionen verliert. Bedenkt aber auch, dass wir auf der Tagung zwar alle Vorträge gemeinsam im Plenum besprechen, unsere jeweilige Forschungsfelder aber speziell und ausdifferenziert sind. Die Diskussion profitiert also davon, wenn eine spezielle Frage thematisch verortet und kontextualisiert wird. Dies ermöglicht zudem in einem nächsten Schritt darzustellen, welche allgemeineren Probleme sich hinter einer spezielleren Frage verbergen.

3. Antwort

Auch sollte das Exposé Auskunft darüber geben, wie Ihr mit der Fragestellung umzugehen gedenkt. Das umfasst eine mögliche Antwort auf die Frage. An der Antwort, die Ihr im Exposé umreißt, werdet Ihr natürlich nicht festgehalten werden. Aber die Formulierung einer möglichen Antwort gibt schon einmal eine Richtung vor.

4. Überzeugungsstrategie

Außerdem sollte das Exposé Hinweise darauf enthalten, wie Ihr Eure Zuhörerschaft überzeugen wollt, mithin eine Ankündigung Eurer Argumentationsstrategie enthalten. Was ist Euer methodischer Zugriff? Arbeitet Ihr zum Beispiel anhand von Rechtsprechung? Führt Ihr ein historisches Argument? Bezieht Ihr Euch auf eine außerjuridisches Wissen oder eine bestimmte Theorie? Welche Argumente werdet Ihr in Eurem Beitrag vorstellen und bewerten? Gibt es bestimmte Literatur, auf die Ihr Euch im Wesentlichen beziehen werdet?

5. Umgang mit Nachweisen

Damit sind wir auch bei der immer wieder auftauchenden Frage nach Literaturnachweisen. Ein Exposé ist kein fertiger Beitrag und bedarf nicht der gleichen Dichte an Belegen. Literaturangaben sind daher optional und erfüllen primär einen anderen Zweck: Sie signalisieren, dass die Autor*in wesentliche Werke kennt, und sie geben dem Auswahlkomitee eine Idee davon, in welche Richtung sich der Beitrag inhaltlich entwickeln könnte. Die Nennung von Literatur erlaubt der Autor*in auch, zu zeigen, von welchen Ansätzen sich der eigene Beitrag womöglich abgrenzen soll.

6. Originalität

Was wünschen wir uns noch? Natürlich freuen wir uns über originelle Einsendungen. Die Originalität kann sich in einer ungewöhnlichen Frage, einer ungewöhnlichen Antwort oder einer ungewöhnlichen Argumentationsstrategie niederschlagen. Originalität ist aber kein Selbstzweck. Sie sollte also auch nicht erzwungen wirken. Außerdem sollte das Auswahlkomitee zuversichtlich sein dürfen, dass die Autor*in die im Exposé gegebenen Versprechen auch einhalten kann.

7. Mut zur Lücke

Ansonsten gilt für das Exposé (wie für den Beitrag): Mut zur Lücke! Das auf der JTÖR keine erschöpfenden Themenbearbeitungen angeboten werden, ist allen klar. Dafür ist schon die Zeit zu knapp bemessen. Versucht lieber, Euer Argument in der Tiefe zu entwickeln, als in der Breite abzusichern.

8. Diskussionspotential

Denkt vor allem daran, dass die JTÖR von der Diskussion lebt. Als Auswahlkomitee müssen wir uns darüber Gedanken machen, welche Beiträge eine interessante Diskussion versprechen. Daher wird das Interesse besonders von kritischen Beiträgen geweckt. Ein Exposé darf auch Ideen dazu enthalten, wie sich der eigene Beitrag zum Oberthema und anderen möglichen Beiträgen verhält.

9. Feedback einholen

Abschließend empfehlen wir unbedingt, dass Ihr Euch vor dem Absenden Eures Exposés mit einer Freund*in oder einer Kolleg*in besprecht. Holt Euch also vielleicht Feedback ein und tauscht Euch darüber aus, ob Ihr selbst das Exposé für die Tagung auswählen würdet.

Wir freuen uns sehr auf Eure Einsendungen und sind unheimlich gespannt!

 

Zitiervorschlag: Organisationsteam JTÖR Münster 2021, Post aus Münster: 9 Tipps für ein starkes Exposé, JuWissBlog Nr. 105/2020 v. 23.07.2020, https://www.juwiss.de/105-2020/.

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