Themenwoche: Tierrechte in der Geflügelindustrie – Interdisziplinäre Betrachtungen zwischen Recht, Ethik und Geschichte

von FELIX WÜRKERT für die JuWiss-Redaktion

Freiheit und Würde des Individuums sind der Dreh- und Angelpunkt des modernen Öffentlichen Rechts. Dieses Recht ist – zumindest wenn man den überwiegenden positivistischen Ansichten folgt – von Menschen erschaffen worden und setzt daher auch konsequent den Menschen in den Mittelpunkt. Selbst wenn dieser Fokus nicht von vornherein offensichtlich oder gar zwingend ist, wie etwa im Umwelt- oder Weltraumrecht, bleibt das Recht anthropozentrisch. Es verwundert daher kaum, dass sich unsere Rechtsordnung, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, schwer damit tut, das Schicksal von Tieren adäquat zu erfassen. Diese Schwierigkeiten werden umso größer, wenn sich Rechte und Interessen von Mensch und Tier scheinbar so diametral entgegenstehen, wie in der Lebensmittelproduktion.

In dieser Woche nehmen wir eine Reihe von Entscheidungen zur Praxis der Tötung männlicher Küken zum Anlass, einen mehrfachen Perspektivwechsel vorzunehmen. Zum einen fokussieren alle Beiträge das Tier und eben nicht den Menschen. Zum anderen ermöglichen zwei der Autorinnen erst durch ihren nicht-juristischen Ansatz ein rundes Verständnis der Thematik. Begonnen wird die Schwerpunktwoche am morgigen Dienstag mit dem zweiteiligen Beitrag von SASKIA STUCKIDie Nutzung kommt vor dem Schutz – Kritische Anmerkungen zur neuen „Küken-Rechtsprechung“-. Daran schließen sich am Mittwoch und Donnerstag die beiden tierethischen Texte von TATJANA VIŠAK -Schadet der Tod dem Küken?- und -Dürfen wir Küken töten?- an. Schließlich rundet WIEBKE REINERT die Themenwoche am Freitag durch ihren Text -Den Schlechten ans Kröpfchen Eine kurze Geschichte des industrialisierten Huhns- ab.

Der erste Beitrag zeigt auf, in welchem komplexen rechtlichen Umfeld, geprägt durch die aktive Einflussnahme aller drei Gewalten, sich die Praxis der Tötung männlicher Küken bewegt und dass zugleich essentielle Gesichtspunkte unberücksichtigt bleiben. Genau diesen Kritikpunkt greifen die beiden folgenden Beiträge auf, indem sie die zugrundeliegenden ethischen Erwägungen ausleuchten. Der abschließende Text legt die historische Entwicklung offen, die heute dazu führt, dass sich all diese Fragen stellen. Wir laden alle Leser*innen zum Mitdiskutieren und Verfassen eigener Beiträge und Kommentare ein und freuen uns auf einen fruchtbaren Dialog!

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