Geblogstag hat man nur einmal im Jahr!

von JuWiss-Redaktion

Heute vor einem Jahr hieß es an dieser Stelle: Blog frei! „Kreieren, Kommentieren, Kritisieren“ war die Idee. Ein turbulentes erstes Jahr liegt hinter uns. Zeit für einen Rückblick und eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir diese Ideen verwirklicht haben.

Kreieren

Autorinnen und Autoren

Ein neues Forum für den wissenschaftlichen Nachwuchs im Öffentlichen Recht wollten wir sein. In nur einem Jahr ist daraus mehr geworden, als wir zu hoffen wagten. Der Gedanke an einen leeren Blog bereitete uns anfänglich ein wenig Sorge. Letztlich erschienen im letzten Jahr 184 Beiträge auf dem JuWissBlog. Unser Dank gilt daher den 88 Autorinnen und Autoren, die unseren Blog mit Leben gefüllt haben. Rechtswissenschaftliche Beiträge aus verschiedensten Bereichen des Öffentlichen Rechts und dem Wissenschaftsbetrieb, politikwissenschaftliche Perspektiven, Interviews und Service-Posts machten den JuWissBlog zu einer abwechslungsreichen Angelegenheit.

Weil Rankings „in“ sind, möchten wir natürlich nicht die Hitliste unserer 5 Beiträge mit den meisten Klicks unterschlagen:

Platz 5: Unserem Redaktionsmitglied Dominik Elser, sonst eher schweizerisch gelassen, platzte im Dezember 2013 der Kragen. Wenn die NZZ mit einem Bundesrichter zusammen spannt, um irreführende Halbwahrheiten über Völkerrecht und Volksrechte zu verbreiten, musste das kommentiert werden: Frau Fontana und Herr Seiler, jetzt reicht’s! Eine erzürnte Erwiderung auf “Früher galt, was in der Verfassung stand”.

Platz 4: Die spinnen, die Hamburger! Ein Gefahrengebiet in der schönsten Stadt der Welt und das auf der Grundlage einer ziemlich windigen Norm: „Stop-and-frisk“ in der Hamburger Schanze oder zum Unterschied zwischen Eisbergen und Gesetzen. Der Beitrag von Christian Ernst, Mitglied im Editorial Board, schaffte es nach der erneuten Einrichtung eines Gefahrengebiets in Hamburg Anfang Januar 2014 in Warp-Geschwindigkeit auf Platz 4.

Platz 3: Right2Water! Am Anfang des Jahres sorgten Wasserprivatisierungspläne der EU für Wirbel. Unser Redaktionsmitglied Sarah Schadendorf und Simone Terbrack reagierten souverän mit ihrem Artikel „Privatisierungsproteste und die Bürgerinitiative right2water – EU-Vergaberecht als Gefahr für die deutsche Trinkwasserversorgung?“ Eine leicht veränderte Version des Beitrags erregte auch viel Aufmerksamkeit auf dem Vergabeblog. Auf dem JuWissBlog ist der Beitrag inzwischen so was wie ein Klassiker.

Platz 2: Still ist es geworden um den inzwischen nicht mehr ganz so neuen Rundfunkbeitrag. Was machen eigentlich die Gerichte, die sich mit entsprechenden Klagen auseinandersetzen sollten? Auf den Gewöhnungseffekt setzen? Eigentlich Zeit für ein kleines Update des Beitrags „Der neue Rundfunk„beitrag“ – mit Problemen behaftet“ von Ermano Geuer. Die JuWiss-Redaktion verspricht: Wir bleiben dran!

Platz 1: Besorgte Blog-Redakteure spekulierten am 1. August 2013 zunächst auf eine feindliche Robot-Attacke, als die Klickzahlen stiegen und stiegen und stiegen. Tatsächlich hatten die „Lex Sonneborn“ und ein „bananenrepublikanisches Verwaltungsverfahren“ im Beitrag „Das Bundesverfassungsgericht als Parteifachgericht“ von Julian Krüper die Aufmerksamkeit von Martin Sonneborn erregt, der den Beitrag auf Facebook verlinkte. Satire liegt im Trend. Ganz schön zeitgeistig, unser Platz 1.

Leserinnen und Leser

Ein Blog ohne Leserinnen und Leser macht keinen Spaß. Ein Dankeschön geht deswegen an Euch, liebe Leserschaft: Für’s Lesen! Für’s Liken auf Facebook! Für’s Twittern! Ihr sorgt dafür, dass wir in der Blogosphäre gehört werden. Eigentlich kann hier nur eines gelten: lest, kommentiert und empfehlt uns weiter. Wenn Euch etwas unter den Nägel brennt: schreibt selbst einen Beitrag oder kommentiert.

Editorial Board und Redaktion

Zuwachs erhielten im letzten Jahr auch Redaktion und Editorial Board. Vier neue Redakteurinnen und zwei neue Board-Mitglieder haben wir gewonnen. Einige von uns hatten auch tatsächlich Nachwuchs – herzlichen Glückwunsch!

Verfassungsblog & Co.

Ein Blog ohne Blog-Freundinnen und -Freunde wird schnell einsam. Danke sagen wir deshalb dem Verfassungsblog und den anderen Bloggerinnen und Blogger, die unsere Beiträge crossgepostet, auf Facebook geteilt oder auf Twitter weitergezwitschert haben. Rechtswissenschaftliches Bloggen ist salonfähig geworden. Der Verfassungsblog forscht inzwischen zu diesem Thema. Bei der Auftakt-Podiumsdiskussion zum Forschungsprojekt waren wir mit dabei. Zukunftsfroh erwarten wir demnächst auch Nachwuchs in der rechtswissenschaftlichen Blogszene, wenn das Projekt des Arbeitskreises junger Völkerrechtswissenschaftler/innen (AjV) ans Netz geht.

Kommentieren

Kommentieren wollten wir. Ein paar Mal ist es schon gelungen, in der Kommentarspalte richtige Diskussionen anzustoßen. Danke an die Kommentatorinnen und Kommentatoren, die mit mehr als 200 Kommentaren auf diese Weise zum Gelingen unseres Blogs beigetragen haben. Wir freuen uns über die Kommentarkultur. Dass mit Klarnamen kommentiert wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Gleiches gilt für Kommentare, die selber Beitragsqualität haben. Mehr davon!

Kommentieren und Stellung nehmen wollten wir aber auch zu zeitpolitischen und rechtlichen Ereignissen und Entwicklungen. Unsere Autorinnen und Autoren haben das ein paar Mal ziemlich erfolgreich getan. Ein Supergrundrecht auf Sicherheit wollte Jasper Finke beispielsweise nicht auf sich sitzen lassen. Militärische Intervention in Syrien? – Mehrdad Payandeh musste da ein Wörtchen mitreden. Vorratsdatenspeicherung? – das sah Lorin-Johannes Wagner kritisch. Die Initiative der HRK zum Umgang mit Plagiaten schmeckte Sandro Wiggerich gar nicht und Dana Schmalz schaute genau hin, als Asylsuchende in München mit einem Hungerstreik für ihre Rechte kämpften.

Angesichts einer im Allgemeinen eher schüchternen Rechtswissenschaft im Umgang mit kommunikativen Neuerungen sind die Ergebnisse des letzten Jahres nicht so übel und wir hoffen, dass sich die lebendige Kommentar- und Diskussionskultur auch in unserem zweiten Jahr fortsetzt.

Kritisieren

Schließlich wollten wir kritisieren. Kritik an dem zu üben, was andere denken, aktuelle Entwicklungen zu reflektieren und konstruktive Gegenvorschläge zu entwickeln ist die eine Seite der Medaille. Selbstkritik die andere. Dazu kommen wir jetzt.

Verwaltungsrecht ist, wo das Leben tobt

Ein Blog wird geprägt durch die Interessen seiner Autorinnen und Autoren. Als besonders netzaffin erweist sich immer wieder das Völkerrecht. Die bestehenden völkerrechtlichen Blogs belegen das ganz gut. Verwaltungsrechtliche Themen hingegen kommen seltener zur Sprache, obwohl gerade sie viele Alltagskonflikte prägen. Ist das Verwaltungsrecht zu trocken? Zu langweilig? Zu dogmatisch? Ganz klar: nein! Es ist manchmal nur etwas schwieriger, die rechtsdogmatische Hülle abzupellen und blogtauglich darüber zu schreiben.

Ganz nebenbei: rechtstheoretische und rechtsvergleichende Beiträge können es auch ruhig noch mehr sein.

Hey, Ihr Frauen!

Der Autorinnen-Anteil auf dem Blog selbst liegt derzeit bei etwas weniger als 30%. Das ist respektabel, angesichts des Anteils der Nachwuchswissenschaftlerinnen an den Promovierenden und Habilitierenden aber zu wenig. Also, liebe Nachwuchswissenschaftlerinnen: ran an die Tasten und her mit den Texten!

Österreich und Schweiz: this is Germany calling!

Der JuWissBlog ist derzeit eine primär deutschsprachige Plattform und damit insbesondere ein Forum für die junge Wissenschaft im Öffentlichen Recht im deutschsprachigen Raum. Die meisten unserer Autorinnen und Autoren sind aber derzeit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an deutschen Hochschulen. Wir freuen uns daher, wenn uns auch der rechtswissenschaftliche Nachwuchs in Österreich, in der Schweiz oder sonst wo in der Welt als sein Forum entdeckt! Die Berner und Grazer habe es vorgemacht. Zum Beispiel hier, hier, hier und hier! Beiträge aus Österreich und der Schweiz finden wir leinwand, huere guet!

Mit Wumms geht’s weiter – Blog frei für Jahr zwei!

Wir haben viele Ideen, wie wir das JuWissBlog-Angebot noch verbessern können. Für das neue Jahr planen wir bereits zwei thematische Schwerpunkte. Erste Erfahrungen mit einem solchen Schwerpunkt haben wir im vergangenen Jahr mit unseren Beiträgen zum Papier des Wissenschaftsrats zu den Perspektiven der Rechtswissenschaft gesammelt. Falls Ihr Ideen für einen Schwerpunkt habt oder selbst einen organisieren wollt, meldet Euch gern bei uns!

Für das neue Jahr haben wir uns vorgenommen, unseren Blog für Euch noch nutzerfreundlicher zu gestalten. Weiterhin gilt: Kreieren, Kommentieren, Kritisieren ist unsere Mission. Unersättlich wollen wir sein, die Ereignisse des Öffentlichen Rechts aktuell und spannend zu begleiten. In diesem Sinne: Blog frei für Jahr zwei!

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Martin Heidebach
    15. Januar 2014 10:52

    Ich sag jetzt einfach mal im Namen des Editorial Board: Ganz herzlichen Dank an die Redaktion für die viele und tolle Arbeit, die ihr im letzten Jahr geleitstet habt. Alles Gute zum Geblogstag!

    Antworten
  • JuWiss-Redaktion
    15. Januar 2014 11:01

    Danke, lieber Martin!

    Antworten
  • Herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich, dass der JuWissBlog so wächst und gedeiht – nicht nur, weil ich schon bei der Geburtstvorbereitung dabei sein durfte. Mit so viel pointierten und meinungsstarken Beiträgen hätte ich damals nicht gerechnet. Weiter so! Auf noch viele Geblogstage.

    Antworten
  • JuWiss-Redaktion
    16. Januar 2014 11:43

    Danke, Alexandra Kemmerer! Wir werden unser Bestes im Jahr zwei geben!

    Antworten

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