Die Schweiz ist vaterschaftsurlaubsreif

von IRENE GROHSMANN

34_Irene_Grohsmann_Homepage_BearbeitetSowohl gemäss der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) als auch gestützt auf die Schweizerische Bundesverfassung dürfen Frau und Mann nicht aufgrund traditioneller Rollenverteilungen und Geschlechterstereotypen unterschiedlich behandelt werden. Trotzdem haben in der Schweiz nach der Geburt eines Kindes nur Frauen einen Anspruch auf Mutterschaftsurlaub; Vaterschaftsurlaub gibt es nicht. Diese Regelung ist vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und rechtlichen Wandels in Europa und der Schweiz nicht mehr tragbar.

Aktuelle Regelung basiert auf überkommener traditioneller Rollenverteilung

Anders als in mehr als der Hälfte aller Europaratsstaaten steht Vätern in der Schweiz nach der Geburt ihres Kindes kein gesetzlich geregelter Vaterschaftsurlaub zur Verfügung. Vielmehr dürfen Väter zur Geburt ihres Kindes bloss einen bis zwei „übliche freie Tage“ nach Art. 329 Abs. 3 Obligationenrecht beziehen, welche allen Arbeitnehmenden zur Erledigung von persönlichen Angelegenheiten oder bei Familienereignissen (z.B. Umzug, Hochzeit, Beerdigung) zustehen.

Zur Kinderbetreuung nach dieser kurzen Zeit sieht die schweizerische